Was für ein besonderer Tag an der Scholle! Anlässlich des 75-jährigen Bestehens des Bundesverfassungsgerichts wurde im Rahmen der bundesweiten Jubiläumsaktion „Geburtstagstorte“ auch an unserer Schule gefeiert. Die Geschwister-Scholl-Schule war dabei die ausgewählte Schule für Nordrhein-Westfalen, an der Bundesverfassungsrichterin Prof. Dr. Astrid Wallrabenstein das Jubiläum gemeinsam mit Schüler:innen, Kolleg:innen und zahlreichen Gästen beging. Damit war die Scholle Teil einer ganz besonderen Aktion, bei der die 16 Richter:innen des Bundesverfassungsgerichts jeweils eine Schule in einem der 16 Bundesländer besuchten.

Bereits am Vormittag durften wir einen ganz besonderen Gast an unserer Schule begrüßen: Bundesverfassungsrichterin Prof. Dr. Astrid Wallrabenstein war aus Karlsruhe angereist. Vier ausgewählte Klassen erhielten die besondere Gelegenheit, mit ihr direkt im Klassenraum ins Gespräch zu kommen und ihre Fragen zur Arbeit des Bundesverfassungsgerichts zu stellen. Dabei entwickelte sich ein offener und spannender Austausch auf Augenhöhe. Prof. Dr. Wallrabenstein nahm sich Zeit für die Anliegen der Schüler:innen und gab ihnen einen unmittelbaren Einblick in die Arbeit des höchsten deutschen Gerichts.
Um 13 Uhr begann schließlich die offizielle Feier im Forum am Standort Querstraße. Der Einladung waren neben Schüler:innen, Eltern und Kolleg:innen auch Vertreter:innen der Solinger Schulen und der Politik, Schulministerin Dorothee Feller, Vertreter:innen unserer Kooperationspartner und weitere Gäste gefolgt.
Den Auftakt gestaltete unsere Weiße Rose AG mit eindringlichen Zitaten und erinnerte damit zugleich daran, wie wichtig es ist, für Freiheit und Demokratie einzustehen. „Wir schweigen nicht, wir sind euer böses Gewissen. Wir lassen euch keine Ruhe.“ – diese Worte der Weißen Rose bildeten einen eindrucksvollen Einstieg in eine Veranstaltung, die sich immer wieder mit der Verantwortung jedes Einzelnen auseinandersetzte.
Nach der Begrüßung durch Schulleiter Achim Rothhaas und weiteren Grußworten wurde deutlich, welche besondere Bedeutung dieser Tag für unsere Schule hat. Herr Rothhaas erinnerte sich an den Moment, als ihn der Anruf erreichte, dass die sogenannte „Aktion Geburtstagstorte“ des Bundesverfassungsgerichts tatsächlich an unserer Schule stattfinden würde. Was zunächst unglaublich klang, wurde nun Realität. Dabei formulierte er einen Gedanken, der sich wie ein roter Faden durch den gesamten Tag zog: Freiheit ist kein Besitz, den man einmal erlangt und dann für immer behält. Sie muss immer wieder verteidigt, mit Leben gefüllt und gemeinsam gestaltet werden.

Passend dazu blickten die Gäste auch auf die Geschichte des Bundesverfassungsgerichts zurück. Am 28. September 1951 wurde das Bundesverfassungsgericht gegründet. 75 Jahre später ist es ein zentraler Bestandteil unseres Verfassungsstaates und wacht über die Einhaltung des Grundgesetzes und den Schutz der darin verankerten Grundrechte. Die Moderation des abwechslungsreichen Programms übernahm Herr Brand und führte die Gäste souverän durch den Nachmittag.
Musikalisch wurde die Veranstaltung von verschiedenen Beiträgen unserer Scholle bereichert. Die Chor-AG sang „Die Gedanken sind frei“ und setzte damit ein musikalisches Zeichen für Freiheit und Selbstbestimmung. Die Schulband Venemous Ocean begeisterte mit „Wind of Change“ und später mit „Gimme! Gimme! Gimme!“. Auch die Allstars sorgten gemeinsam mit dem Chor und „Imagine“ für einen besonderen musikalischen Moment.

In ihrem Grußwort betonte Schulministerin Dorothee Feller die Bedeutung einer lebendigen Demokratie und verwies zugleich auf deren Verwundbarkeit. Das Grundgesetz und die Institutionen, die seine Einhaltung sichern, seien keine Selbstverständlichkeit. Auch ein unabhängiger Journalismus und demokratische Beteiligungsmöglichkeiten müssten immer wieder geschützt und gestärkt werden. Schulen komme dabei eine besondere Bedeutung zu: Hier lernen junge Menschen, Verantwortung zu übernehmen, ihre Meinung zu vertreten und demokratische Prozesse aktiv mitzugestalten. Als Beispiele nannte die Ministerin unter anderem die Bedeutung der Klassensprecher:innen und die Beteiligungsmöglichkeiten von Schüler:innen. Auch das verpflichtende Schüler:innen-Feedback über das Demokratieportal des Schulministeriums sei ein Beispiel dafür, wie Schulen demokratische Beteiligung fördern können. Demokratiekompetenz zu stärken, sei letztlich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Besonders gespannt waren viele Gäste anschließend auf den Beitrag von Prof. Dr. Astrid Wallrabenstein. Sie erläuterte anschaulich die Aufgaben und die Arbeitsweise des Bundesverfassungsgerichts und gab den Zuhörer:innen einen Einblick in die besondere Entstehungsgeschichte des Gerichts. Bei seiner Gründung war das Bundesverfassungsgericht in dieser Form einzigartig. Seine zentrale Aufgabe besteht darin, über die Einhaltung des Grundgesetzes zu wachen und die in der Verfassung verankerten Grundrechte zu schützen. Anhand konkreter Beispiele, unter anderem aus dem Bereich des Klimaschutzes, zeigte Prof. Dr. Wallrabenstein, wie das Gericht in aktuelle gesellschaftliche und politische Fragen eingebunden ist. So hatte das Bundesverfassungsgericht beispielsweise 2021 von der Bundesregierung weitere konkrete Pläne zur Erreichung der Klimaschutzziele eingefordert. Zugleich machte sie deutlich, welche besondere Stellung das Bundesverfassungsgericht auch international einnimmt – gerade auch in Zeiten, in denen demokratische Grundwerte weltweit unter Druck geraten.
Im Anschluss wurde es noch einmal besonders spannend: Schüler:innen der Oberstufe hatten im Rahmen eines Demokratie-Projekttages Fragen vorbereitet, die sie nun direkt an die Bundesverfassungsrichterin richten konnten. Dabei ging es unter anderem um die Frage, ob soziale Medien eine Gefahr für die Demokratie darstellen können, um besonders schwierige Entscheidungen in der Arbeit einer Richterin, um die Möglichkeit eines Parteiverbots, um die Frage, wie sicher das Grundgesetz vor einer Abschaffung ist, und auch darum, wie demokratisch der öffentliche Dienst organisiert ist. Prof. Dr. Wallrabenstein stellte sich den Fragen offen und ausführlich und ermöglichte den Schüler:innen damit einen ungewöhnlich direkten Einblick in die Arbeit des Bundesverfassungsgerichts.

Auch unsere Weiße Rose AG leistete einen wichtigen Beitrag zum Festakt. Sie stellte ihre Arbeit gegen das Vergessen vor und erinnerte an Projekte wie den Sophie-Scholl-Gedenkweg und die Stolpersteine in Ohligs. Damit schlug sie zugleich eine Brücke zwischen der Geschichte der Weißen Rose und der Verantwortung, die jede Generation für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte trägt.

Zum Abschluss wartete dann tatsächlich noch der namensgebende Höhepunkt der bundesweiten Jubiläumsaktion: die Geburtstagstorte. Musikalisch begleitet von den Allstars und dem Chor mit „Happy Birthday“ wurde die Torte gemeinsam angeschnitten – ein besonderer Moment nach einem ebenso besonderen Nachmittag.
Die Veranstaltung hat auf eindrucksvolle Weise gezeigt, dass Demokratie nicht nur ein Thema aus dem Unterricht oder aus Geschichtsbüchern ist. Sie betrifft unseren Alltag, unsere Rechte, unsere Freiheit und unser Zusammenleben. Und sie lebt davon, dass Menschen miteinander ins Gespräch kommen, Fragen stellen, zuhören und Verantwortung übernehmen.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei allen, die diesen besonderen Tag möglich gemacht haben – bei allen, die vor, hinter und auf der Bühne mitgewirkt, vorbereitet, organisiert und unterstützt haben, bei unserem Catering-Team und natürlich bei allen Gästen, die diesen Nachmittag mit uns gestaltet haben.
Ein ganz besonderer Dank gilt jedoch Prof. Dr. Astrid Wallrabenstein für ihren Besuch an unserer Schule, für die offenen Gespräche mit unseren Schüler:innen und für die vielen spannenden Einblicke in die Arbeit des Bundesverfassungsgerichts.
75 Jahre Bundesverfassungsgericht – und ein Tag, den wir an der Scholle sicher nicht so schnell vergessen werden.


























